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Der Norden Mosambiks leidet seit Jahren unter Zyklonen und bewaffneten Konflikten. Das Gesundheitssystem ist hoffnungslos überlastet. SolidarMed erweitert seine Aktivitäten, damit Menschen auch im Notfall versorgt werden.
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Cabo Delgado, Juli 2025: Angriffe bewaffneter Gruppen zwingen mehr als 50’000 Menschen zur Flucht, die Mehrheit unter ihnen Kinder. Diese mussten zusätzlich zu den bereits 800’000 intern Vertriebenen einen Zufluchtsort finden. Die Distriktbehörden verlegten die Menschen in sogenannte Umsiedlungsdörfer, bestehend aus Notunterkünften und Zelten.
Die 59-jährige Albertina Alberto und ihre sechsjährige Enkelin Chana gehören zu den Betroffenen. Albertina Alberto erzählt: «Als Rebellen unser Dorf angriffen, flohen wir ohne Kleidung, ohne Geschirr, ohne irgendetwas. Nicht einmal eine Matte zum Schlafen hatten wir. Am neuen Ort angekommen, sagten uns die Leute, dass die Rebellen auch hierherkommen würden. Wir flohen erneut, diesmal nach Chiúre. Und jetzt sind wir hier im Vertriebenenlager Maningane.»
Ester Maria, SolidarMed-Projektmitarbeiterin für Infektionsprävention und -kontrolle, beschreibt die Lage: «Cabo Delgado ist geprägt von bewaffneten Angriffen und Wirbelstürmen. Diese Krisen haben starke psychologische Auswirkungen auf die Bevölkerung, da sie unvorhersehbar sind: Heute finden sie an einem Ort statt, morgen an einem anderen. Dies führt zu ständiger Angst und Unsicherheit.»
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Nach den Attacken vom Juli 2025 entwickelte SolidarMed einen schnellen Notfalleinsatz und entsandte 32 mobile Nothilfeeinheiten in drei Umsiedlungszentren sowie fünf besonders betroffene Aufnahmedörfer. Angesichts der anhaltenden bewaffneten Krisen stärkt SolidarMed weiterhin überlastete Gesundheitszentren und organisiert Notfalleinsätze.
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Orte ohne Gesundheitsfachperson
Zwar bieten die Umsiedlungsdörfer etwas Sicherheit, doch die medizinische Grundversorgung ist einer der grössten Mängel. Alberto Tadeu, Gemeindevorsteher des Umsiedlungsdorfs Megarume, erklärt: «Derzeit haben wir keine festangestellten Gesundheitsfachkräfte. Wir sind auf die von SolidarMed unterstützte mobile Gesundheitseinheit angewiesen, die ein- bis zweimal im Monat vorbeikommt. Die anhaltende Vertreibung von Menschen verschärft die Gesundheitssituation zusätzlich. Wir leiden sehr unter den Entfernungen. Von unserem Wohnort bis zur Gesundheitseinrichtung sind es mehrere Kilometer. Früher, als es noch keine mobile Einheit gab, haben wir sogar ein Kind an Fieber verloren. Als das Kind im Spital ankam, wurde Malaria diagnostiziert, aber es war bereits zu spät.» Sein Wunsch, mehr für seine Leute zu tun, steht täglich im Widerspruch zu den begrenzten Ressourcen und systemischen Lücken. SolidarMed finanziert Medikamente, den Treibstoff und die Reisekosten der mobilen Nothilfeteams. Diese bringen lebenswichtige medizinische Leistungen direkt zur betroffenen Bevölkerung.
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Das Gesundheitspersonal aus verschiedenen Bereichen wie Psychologie und Pädiatrie macht sich frühmorgens vom Bezirkspital Chiúre auf den Weg. Das Fahrzeug ist für die medizinischen Untersuchungen beladen: mit Tischen, Stühlen, Malaria-Schnelltests, Ernährungs-Screening-Bändern, Medikamenten… Die 20 Kilometer lange Fahrt führt über mit Schlaglöchern übersäte Strassen, vorbei an grüner Vegetation und Bergen. Obwohl dies in einem Fahrzeug nur kurz dauert, sind viele Dorfbewohnende komplett von einer medizinischen Grundversorgung abgetrennt.
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Malaria und Krätze überleben
Im Umsiedlungsdorf Maningane warten Albertina Alberto und Chana auf das Nothilfeteam für einen Folgeuntersuch. Denn auch dort gibt es kein fixes Gesundheitspersonal. Albertina Alberto erzählt: «Als meine sechsjährige Enkelin Fieber und Hautausschläge am ganzen Körper hatte, wollte ich ins Spital in Chiúre gehen, aber ich hatte das Geld dafür nicht.» Die neugierige, aber scheue Chana steht nie weiter als einen Schritt entfernt von ihrer Grossmutter und befolgt aufmerksam deren Anweisungen. Albertinas Auftreten ist bestimmt, geprägt von Jahren der Not, doch ihre Sorge um Chanas Gesundheit ist in jeder Geste spürbar.
Sie fährt fort: «Dann kam ein mobiles Nothilfeteam in unser Umsiedlungsdorf. Die sind wirklich gut! Das sage ich aus tiefstem Herzen. Meine Enkelin wurde behandelt und kann schon jetzt wieder Lebensmittel wie Maniok zu Hause stampfen. Auch ich hatte Schmerzen, aber jetzt geht es mir dank der Behandlung besser und ich kann wieder auf dem Feld arbeiten.»
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Mario Moises, Gesundheitsfachperson, ist Teil des Nothilfeteams. Im Normalfall arbeitet er im Spital von Chiúre. Er erklärt: «Selbst im Spital könnten wir ohne SolidarMed aufgrund fehlender Ressourcen wie Transportmitteln nicht in die Dörfer hinausgehen. Und da die Umsiedlungsdörfer weit entfernt sind, können viele Menschen nicht zu uns kommen. Was tun wir also mit der Unterstützung von SolidarMed? Wir gehen mit den Nothilfeteams zu den Menschen, um ihnen den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu vereinfachen.»
Heute arbeitet Mario Moises pausenlos. Die Zahl der Patient:innen wächst an Tagen wie diesen, aber sein Tempo lässt selten nach, denn die Zeit ist knapp und die Bedürfnisse sind zahlreich: Es geht ums Überleben. «Chana ist sechs Jahre alt, wog aber bei unserem letzten Besuch nur 16 Kilo. Als wir Malaria und Krätze diagnostizierten, gaben wir ihr die notwendige Behandlung. Ich bin zufrieden, denn jetzt sehe ich, dass es ihr besser geht.» Albertina Alberto ergänzt: «Ich sage allen: Wenn unsere Kinder krank sind, müssen wir sie zum mobilen Nothilfeteam bringen.» Die von SolidarMed unterstützten Einheiten erbringen wichtige medizinische Leistungen: Notfallbehandlungen, Impfungen, Jugendberatung sowie Schwangerschafts- und Neugeborenenbetreuung. Sie sammeln wichtige Daten zu Gesundheitsbedürfnissen und Versorgungslücken.
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Basierend auf diesen Nothilfeeinsätzen, hat SolidarMed nun ein umfassendes Projekt in Cabo Delgado gestartet, das die Gesundheitsversorgung in Krisen stärkt und langfristige Resilienz aufbaut - durch mobile Gesundheitsteams und institutionalisierte Notfallplanung. Ester Maria sagt: «Ich bin stolz darauf, konkrete Veränderungen zu sehen: Probleme werden erkannt, Lösungen umgesetzt und Verbesserungen langfristig aufrechterhalten, sei es in Bezug auf Sauberkeit, die Organisation von Dienstleistungen, oder Datenqualität. Unsere Arbeit zeigt Wirkung und lokal wird Verantwortung übernommen.»
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